Montag, 24. November 2008
Määh!
So, jetzt hab ich es ja doch noch geschafft, trotz Motivationslosigkeit aufgrund meines grundsetzlichen Unwohlseins bezüglich meiner "Wohnsituation" die Ereignisse nachzuholen (ich erwarte diesbezüglich zahlreiches Schultergeklopfe!).
Ja, diese Sache mit dem Unwohlfühlen ist leider Gottes auch etwas, was immer zu meinen geteilten Gefühlen, bezüglich der baldigen Abreise hinzukommt und mich traurigerweise zum Schluss kommen lässt, dass ich heil froh bin, wenn das ganze hier zuende ist und ich es geschafft haben sollte nicht zum dreifachen Mörder geworden zu sein.
Ich wünschte die Umstände wären von Anfang an anders gewesen, denn dann würde lediglich ein Vermissen meiner Freundin als Minuspunkt bleiben, was in Betracht der relativ vielen Besuche und den vielen Pluspunkten ein geringes Übel gewesen wäre und die Zeit somit fast ausnahmslos geil geworden wär.

Aber irgentwo ist das Leben nun mal nicht "ausnahmslos geil" und gerade diese Tatsache birgt auch einen hohen Erfahrungsschatz.
So hat z.B. für mich das Wertschätzen derjenigen wenigen Menschen, die mich bedingungslos verstehen und für mich da sind, auch auf mich eingehen, wenn es nicht gleich auf anhieb einfach scheint und genau wie ich vieleicht nicht jede Tatsache des alltäglichen Lebens mit der typischen Stumpfsinnigkeit wahrnehmen und dadurch entwerten, seit diesem Abenteuer eine ganz neue Bedeutung.

Genauso habe ich mehr als je zuvor gelernt mich zu beherrschen und zu Erleben, wie es ist eine Minderheit zu sein und was das eigentlich bedeutet, sich tatsächlich allein zu fühlen.
Und damit meine ich nicht "allein" im Sinne von: ich will ne Freundin, ich will wech gehen und und und, nein, ich weiß, dass ich nicht allein bin, aber das tägliche sich missverstanden fühlen, weil die einzigen Menschen um mich herum sich scheinbar einfach keine Mühe machen mich zu verstehen oder sie einfach damit überfordert sind, weil es für sie eine Anstrengung bedeuten würde, die sich ihres Erachtens nicht lohnt. Das ist es, was einen Einsam vorkommen lässt, einsamer als wenn ich tatsächlich ganz allein wäre.

Und das zeigt mir einen wichtigen Aspekt der Zwischenmenschlichkeit auf: Jeder Mensch will sich mitteilen, egal wie. Und er will dabei auch wenigstens ansatzweise verstanden werden. Nur so ist Beziehung möglich und nur so funktioniert ein Zusammenleben.
Man kann sich, denke ich, auf verschiedenen Ebenen verstehen und darüber Wege finden miteinander zurecht zukommen, aber wenn es keine Ebene gibt, weil die Endfernungen, egal in welche Richtung viel zu weit sind und schlicht und einfach keine Wege zubauen im Bereich des Möglichen scheinen, dann sollte man das akzeptieren und sich distanzieren, es sei denn man will zum Mörder werden.

Die Erkenntnis, dass genau das der Fall bei mir ist, kam mir zu spät und die einzige Möglichkeit in die Distanz zutreten ist es, mich innerhalb dieser leider Nicht-Gemeinschaft weitesgehend selber auszugrenzen um damit ein Höchstmaß an Souveränität zugewinnen.
So, das musste jetzt mal raus.

Das klingt zwar alles ganz schön schwarz, aber ich habe durchaus die Erkenntnis gewonnen, mich auch an diesen negativen Erfahrungen zu bereichern indem ich lerne damit Umzugehen. Der nächste Blog wird wieder positiver, versprochen.
Also, horrido!

... link (0 Kommentare)   ... comment


Winter
Ja, seit gestern ist Janet wech und der Winter da. Mit allem was dazu gehört: Schneestürme, zugeschneite Autos, Strassen, Häuser und Menschen. Und kalt ist es natürlich auch... der Schnee fällt allerdings die meiste Zeit nicht wirklich von oben nach unten, sondern eher von rechts nach links... zumindestens bietet sich mir das Bild, wenn ich aus meinem Zimmerfenster schaue...
So, viel will ich auch gar nicht quatschen, ich lass die Bilder einfach sprechen...



_______

... link (0 Kommentare)   ... comment


Die Gauja bei Cēsis / Lettland wird 90
Am letzten Dienstag, also schon fast vor einer Woche, war der 90ste Geburtstag der Republik Lettlands und zu diesem Anlass waren allerhand Feierlichkeiten angekündigt.
Janet und ich entschieden uns deswegen dafür den Tag (an dem übrigens hervorragendes Wetter angekündigt war!) zu nutzen um Ríga einfach mal links liegen zulassen und raus in die Natur zufahren. Wir, bzw. ich entschied mich für Césis, da das eine Stadt nahe des Gauja Nationalparks ist in dem, wie der Name schon verrät, die Gauja fließt. Die Gauja ist ein sehr schöner Fluß, der sich weit durchs Land zieht und noch sehr wild durch die Natur fließt. Neben Sandsteinklippen und bergigen Wäldern bietet die Gauja allerhand Wandermöglichkeiten.
Das war also unser Ziel und das waren wir auch gewillt zu erreichen. Als wir jedoch am Hauptbahnhof in Riga ankamen mussten wir feststellen, dass der nächste Zug erst 4 Stunden später fahren wird und wir unseren gerade eben verpasst hatten... Nu já, vieleicht hätte man sich im vorraus informieren sollen.
Pfiffig wie wir sind, entschieden wir uns unser Glück beim Busbahnhof auszuprobieren und das war eine gute Entscheidung, denn dort haben wir direkt einen Bus erwischt, auch wenn Janet kein großer Fan von langen Busfahrten ist.
So tuckerten wir also mit geschätzten 15 km/h über die kerzengerade "Autobahn" richtung Césis. Man konnte richtig merken, wie der Busfahrer immer nur leicht das Gaspedal antippte mit seinem Fuß um dann wieder ein paar Meter rollen zulassen. Nu já, so sieht man wenigstens n bisschen was vom Land...
Irgentwann, nach ca. 2 Stunden kamen wir dann auch an (ich will gar nicht wissen, wie schnell es hätte gehen können...).

Césis ist eine kleine unspektakuläre, typisch lettische Sadt, die wir schnellstmöglich mit dem Ziel "Gauja" hinter uns ließen. Nach ungefähr ner halben/dreiviertel Stunde kamen wir dann an einer Brücke an und entschieden uns links einen Wanderweg entlang zu gehen, weil auf einem Schild "klintis" (=Klippen) ausgeschildert war und ich derbe heiß darauf war, diese zu sehen.


without complaining...



So gingen wir den Weg direkt an der Gauja entlang und bogen irgentwann ein kleines bisschen in die Landschaft ein, wo wir dann su einem kleinen, schmalen Spiegelsee kamen, an dem sich die Sandstein-Klippen befanden. Wir ließen es natürlich nicht aus uns bei einem höchst riskanten Manöver in den Stein zu verewigen!


Der Spiegelsee Vecupe und die dazugehörigen Spoguļu klintis

Dann gingen wir weiter und machten im endeffekt einen 10km-Rundweg, der uns wieder Schnurstracks richtung Césis führte wo es dann auch schon ganze 4 Stunden später war und langsam dunkel wurde.


die rote Linie zeigt unsere Route an, die wir im Endeffekt gegangen sind...

Nachdem wir im Glaube Bahntickets zu lösen, dann Bustickets gekauft hatten, stiegen wir dann in den Bus und fuhren wieder, reichlich durchgefrohren nach Riga, wo wir keine Anstalten machten uns das Geburtstagsspektakel noch anzusehen. Wir wollten nach Hause, ne warme Dusche und inni Heier, vieleicht nen Glühwein und das taten wir dann auch.
So feierten wir also Lettland von seiner schönsten Seite, der Natur. Wer also Fotos vom Feuerwerk und dem ganzen Scheiß sehen will, muss sich entweder an Frauenfraktion richten oder einfach im Internet nachschauen.
Ich hör jetzt wieder auf zu schreiben, denn mir geht die ganze WG-Situation schon wieder aufn Sack und ich kann mich irgentwie nicht schreibtechnisch entspannen... Atá!

... link (0 Kommentare)   ... comment